Schimmel und Actinomyceten bei PANS und PANDAS

 

Wenn über Schimmel gesprochen wird, denken viele sofort an etwas ausschließlich Gefährliches. Doch so einfach ist es nicht. Manche Schimmelpilze sind sogar nützlich: Ohne sie gäbe es keinen Blauschimmelkäse wie Gorgonzola oder Roquefort, und wichtige Medikamente wie Penicillin stammen ursprünglich aus Schimmelpilzen.

Gleichzeitig ist unbestritten, dass bestimmte Schimmelarten – vor allem in Innenräumen oder Lebensmitteln – erhebliche gesundheitliche Probleme verursachen können. Besonders im Zusammenhang mit PANS und PANDAS lohnt sich ein genauer Blick.

Schimmel in Lebensmitteln und Umwelt
Schimmel kommt natürlicherweise in der Umwelt vor und kann Lebensmittel bereits auf dem Feld oder nach der Lagerung befallen. Besonders betroffen sind Getreide wie:

  • Mais
  • Hafer
  • Weizen
  • Reis

Einige dieser Schimmelpilze produzieren sogenannte Mykotoxine – hochwirksame, sehr kleine Gifte. Diese sind nicht nur ein Problem der Ernährung, sondern können auch über die Raumluft aufgenommen werden, zum Beispiel in feuchten Wohnungen oder Schulgebäuden.

Feuchtigkeit in Wohnungen – ein unterschätzter Risikofaktor
Jeder feuchte oder schlecht belüftete Bereich kann mikrobielles Wachstum begünstigen. Als Richtwert gilt: Etwa 50 % Luftfeuchtigkeit im Wohnraum sollten nicht dauerhaft überschritten werden.

Schimmel selbst ist oft geruchlos. Allerdings können von ihm produzierte flüchtige organische Verbindungen (VOCs) einen muffigen, modrigen Geruch verursachen. Wichtig dabei:

  • Ein muffiger Geruch ist immer ein Warnsignal
  • Kein Geruch bedeutet jedoch nicht, dass kein Schimmel vorhanden ist

Gerade bei Kindern mit PANS oder PANDAS sollte man deshalb sehr aufmerksam sein.

Gesundheitliche Auswirkungen von Schimmel und Mykotoxinen
Viele Menschen kennen Schimmelreaktionen vor allem als Allergie:

  • laufende oder verstopfte Nase
  • Husten
  • juckende Augen
  • Asthmaanfälle

Doch die Wirkung von Mykotoxinen geht weit über Allergien hinaus:

  • direkte Giftwirkung auf das Nervensystem
  • Zusammenhang mit neuropsychiatrischen Störungen
  • auffällige Ergebnisse in neurologischen Testungen

Zahlreiche Studien zeigen außerdem, dass Mykotoxine das Immunsystem schwächen. Diese Immundysregulation kann dazu führen, dass:

  • Infektionen länger und schwerer verlaufen
  • bakterielle und fungale Infektionen häufiger auftreten

Mykotoxine und Autoimmunität
Mykotoxine wurden mit einer Erhöhung von Autoantikörpern in Verbindung gebracht, unter anderem:

  • antinukleäre Antikörper (ANA)
  • Anti-Smooth-Muscle-Antikörper

Das deutet darauf hin, dass sie Autoimmunprozesse auslösen oder verstärken können. Das Immunsystem gerät dabei aus dem Gleichgewicht:
Es kann zu schwach oder gleichzeitig überaktiv reagieren – ein Verlust der normalen Immunregulation.

Verbindung zu PANS und PANDAS
Bei PANS und PANDAS greift das Immunsystem bestimmte Bereiche des Gehirns an – ausgelöst durch Infektionen. In diesem Kontext sind folgende Beobachtungen besonders relevant:

  • Rund 40 % der Kinder mit PANS/PANDAS zeigen erhöhte ANA-Werte
  • Viele Kinder haben Immundefizite, z. B. niedrige Immunglobulinspiegel
  • Sie bilden schlechter Antikörper nach Impfungen oder Infekten
  • Sie werden insgesamt häufiger krank

Umweltgifte wie Mykotoxine können diese Problematik zusätzlich verschärfen.

Actinomyceten – mehr als nur Schimmel
Nicht nur Schimmel macht Menschen in wassergeschädigten Gebäuden krank. Eine oft übersehene Gruppe sind die Actinomyceten (Actinomyces):

  • bakterielle Erreger, die früher für Pilze gehalten wurden
  • verhalten sich teilweise pilzähnlich
  • kommen häufig in feuchten Gebäuden vor

Sie können:

  • Infektionen von Lunge, Nasennebenhöhlen und anderen Organen verursachen
  • Endotoxine bilden
  • Entzündungen und oxidativen Stress auslösen

Es gibt Hinweise, dass Actinomyceten als möglicher Trigger für rheumatoide Arthritis wirken können.

Testmöglichkeiten und medizinische Zusammenhänge
Spezielle Umweltanalysen auf Schimmel und Actinomyceten sind möglich, z. B. über spezialisierte Labore. Zusätzlich ist bekannt, dass:

  • einige Schimmel- und Bakterienarten Substanzen produzieren, die als Medikamente genutzt werden (z. B. Antibiotika, Ivermectin)
  • manche Menschen Penicillin oder Ivermectin nicht vertragen

Das wirft eine wichtige Frage auf:
Könnte eine Unverträglichkeit gegenüber solchen Medikamenten ein Hinweis auf eine Belastung durch Schimmel oder Actinomyceten sein?

Fazit: Umweltfaktoren ernst nehmen
Bei Kindern mit PANS oder PANDAS sollte Schimmel- und Bakterienbelastung immer mitgedacht werden. Empfohlene Schritte:

  • Wohnraum sorgfältig auf Feuchtigkeit und Schimmel prüfen
  • bei Verdacht einen Fachinspektor oder Schimmelspürhund hinzuziehen
  • auch ohne Geruch oder sichtbaren Befall aufmerksam bleiben

Die Umwelt ist kein Nebenschauplatz – sie kann ein entscheidender Faktor für Immundysregulation, Entzündung und neuropsychiatrische Symptome sein.