Wenn das Gehirn im Alarmmodus bleibt: Glutamat, Histamin und Neuroinflammation bei PANS/PANDAS
Viele Kinder mit PANS/PANDAS erleben einen Zustand permanenter Übererregung:
- innere Unruhe
- Angst
- intrusive Gedanken
- Reizüberflutung
- Schlafprobleme
- emotionale Dysregulation
- „wired but tired“
Oft fühlt es sich an, als würde das Nervensystem dauerhaft auf Gefahr reagieren. Doch neurobiologisch könnte dahinter mehr stecken als nur „Stress“ oder „Angst“.
Ein zentraler Mechanismus könnte die Wechselwirkung zwischen:
- dem glutamatergen System
- Histamin
- Neuroinflammation
- und der gestörten inhibitorischen Kontrolle des Gehirns sein.
Glutamat: Das Gaspedal des Gehirns
Glutamat ist der wichtigste aktivierende Neurotransmitter im Gehirn.
Es sorgt dafür, dass Nervenzellen:
- Signale weiterleiten
- lernen
- aufmerksam bleiben
- reagieren
- Erinnerungen bilden
Ohne Glutamat könnten wir weder denken noch funktionieren. Doch zu viel glutamaterge Aktivität kann problematisch werden.
Dann entsteht:
- neuronale Übererregung
- sensorische Überempfindlichkeit
- Hypervigilanz
- erhöhte Stressreaktivität
- Schlafstörungen
- emotionale Instabilität
Das Gehirn bleibt dann biologisch in einem Zustand erhöhter Alarmbereitschaft.
Neuroinflammation verändert das Gehirn
Bei PANS/PANDAS geht man davon aus, dass Immunprozesse und Neuroinflammation eine wichtige Rolle spielen. Dabei werden unter anderem Mikroglia aktiviert – die Immunzellen des Gehirns.
Aktivierte Mikroglia setzen entzündliche Botenstoffe frei wie:
- TNF-α
- IL-1β
- IL-6
- IL-18
Diese Entzündungsmediatoren beeinflussen direkt die neuronale Signalübertragung. Besonders wichtig: Sie können die glutamaterge Aktivität verstärken.
Wie Histamin das glutamaterge System antreibt
Histamin wird oft nur mit Allergien verbunden. Doch Histamin ist auch ein hochaktiver Neurotransmitter im Gehirn.
Im zentralen Nervensystem beeinflusst Histamin:
- Wachheit
- Aufmerksamkeit
- Stressreaktionen
- sensorische Verarbeitung
- neuronale Erregbarkeit
Bei Neuroinflammation kann Histamin ansteigen.
Und Histamin kann wiederum:
- Glutamatfreisetzung verstärken
- Mikroglia weiter aktivieren
- NMDA-Rezeptoren sensitiver machen
- neuronale Übererregung verstärken
Dadurch entsteht ein Verstärkerkreislauf: Neuroinflammation → Histamin ↑ → Glutamat ↑ → neuronale Erregung ↑
Wenn das Gehirn zu „laut“ wird
Ein dauerhaft aktiviertes glutamaterges System kann dazu beitragen, dass das Gehirn Reize schlechter filtert.
Betroffene berichten häufig über:
- Geräusch- und Lichtempfindlichkeit
- OCD-artige Gedankenschleifen
- Tics
- Panikartige Zustände
- emotionale Überreaktionen
- Konzentrationsprobleme
- Brain Fog
- Schlafprobleme trotz Erschöpfung
Das Nervensystem befindet sich dann nicht mehr in einem flexiblen Gleichgewicht – sondern in einem Zustand chronischer Alarmaktivität.
Die Rolle von Histamin bei Angst und Hyperarousal
Histamin wirkt eng mit dem Stresssystem zusammen.
Erhöhte Histaminaktivität kann:
- Adrenalinreaktionen verstärken
- die Amygdala sensibilisieren
- Schlaf verschlechtern
- Herzrasen fördern
- innere Unruhe verstärken
Viele Betroffene beschreiben daher einen Zustand von: „ständig angespannt, reizoffen und nicht richtig runterfahrbar.“
Gerade bei PANS/PANDAS könnte diese Kombination aus:
- Neuroinflammation
- Histaminaktivierung
- glutamaterger Übererregung
eine wichtige Rolle spielen.
Und wo kommt GABA ins Spiel?
Normalerweise wird das glutamaterge „Gaspedal“ durch GABA gebremst. Doch bei Neuroinflammation kann auch dieses inhibitorische System gestört werden. Interessanterweise hängt die beruhigende Wirkung von GABA stark von der Chloridregulation der Nervenzelle ab. Wenn diese Balance kippt, kann GABA seine hemmende Wirkung teilweise verlieren.
Darüber schreibe ich aber in einem separaten Beitrag auf Patreon ausführlicher – denn dieser Mechanismus ist extrem spannend und wird oft unterschätzt.
Fazit
PANS/PANDAS betrifft nicht nur das Immunsystem. Die Entzündung beeinflusst direkt die Neurotransmitter-Systeme des Gehirns.
Besonders relevant scheint dabei die Wechselwirkung zwischen:
- Neuroinflammation
- Histamin
- Glutamat
- Mikroglia-Aktivierung
- und inhibitorischer Dysregulation
zu sein.
Das könnte erklären, warum sich viele Symptome weniger wie „psychische Probleme“ anfühlen – sondern eher wie ein biologisch überaktiviertes Nervensystem. Und genau dort könnte ein wichtiger Schlüssel zum Verständnis der Symptomatik liegen.
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