connection AS solution – Integratives Regulationsmodell (IRM)*
Ein konzeptionelles Rahmenmodell zur individualisierten Begleitung chronischer Erkrankungen.
Leitgedanke:
Chronische Erkrankungen entstehen und bestehen meist durch das Zusammenspiel biologischer, psychischer, psychosozialer, sozialer und umweltbezogener Faktoren. Ziel ist nicht nur die Behandlung von Symptomen, sondern die Wiederherstellung einer möglichst stabilen Selbstregulation.
Dieses Modell ist nicht am Schreibtisch entstanden. Es hat sich über viele Jahre in der praktischen Arbeit mit Klientinnen und Klienten entwickelt. Immer wieder zeigte sich, dass nachhaltige Verbesserungen selten durch einzelne Maßnahmen erreicht werden, sondern durch das systematische Zusammenspiel verschiedener Einflussfaktoren. Aus diesen Erfahrungen entstand eine klare Struktur, die sowohl wissenschaftliche Erkenntnisse als auch die Realität des Praxisalltags berücksichtigt. Sie dient als Orientierung, um komplexe chronische Erkrankungen ganzheitlich zu verstehen und individuell zu begleiten.
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Die fünf Kernbereiche
1. Verstehen
Frage: Was beeinflusst die Erkrankung?
- medizinische Diagnose
- biologische Faktoren
- Lebensstil
- Umwelt
- Psyche
- soziale Situation
- persönliche Ziele
2. Entlasten
Frage: Welche Belastungen können reduziert werden?
- Entzündungen behandeln
- Infektionen therapieren
- Schmerzen reduzieren
- Stress abbauen
- Schlaf verbessern
- belastende Umweltfaktoren minimieren
3. Stärken
Frage: Wie können Selbstregulation und Resilienz verbessert werden?
- Bewegung
- Ernährung
- Schlaf
- Regeneration
- Stoffwechsel
- psychische Widerstandskraft
- soziale Ressourcen
4. Begleiten
Frage: Welche Unterstützung wird benötigt?
- ärztliche Behandlung
- Medikamente
- Physio-, Ergo- und Psychotherapie
- Coaching
- Angehörigenarbeit
- Selbstmanagement
- Hilfsmittel
5. Individualisieren
Frage: Passt die Behandlung noch zur aktuellen Situation?
- Ziele überprüfen
- Therapie anpassen
- Fortschritt messen
- Rückschläge berücksichtigen
- neue Belastungen erkennen
Wissenschaftliche Grundlage
Das Modell verbindet etablierte Konzepte aus:
- dem biopsychosozialen Modell (Engel),
- der Präzisions- bzw. personalisierten Medizin,
- der funktionellen Gesundheitsförderung,
- der Rehabilitationsmedizin,
- der Chronic Care Theory und
- Konzepten der Selbstregulation und Resilienz.
Es macht keine Aussage über die Ursache einer Erkrankung. Vielmehr beschreibt es einen strukturierten und praxisorientierten Prozess, wie Menschen mit chronischen Erkrankungen langfristig begleitet werden können.
Die wissenschaftlichen Modelle bilden dabei das Fundament. Die konkrete Struktur dieses Ansatzes entstand jedoch aus der täglichen Arbeit mit Klientinnen und Klienten. Durch die kontinuierliche Beobachtung von Verläufen, Erfolgen und Rückschlägen wurde das Modell immer weiter verfeinert. Es hat sich in der Praxis als hilfreicher Orientierungsrahmen bewährt, um komplexe Zusammenhänge verständlich zu machen, individuelle Prioritäten zu setzen und Behandlungen flexibel an den jeweiligen Verlauf anzupassen.
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Wissenschaftliche Referenzen zum IRM
Biopsychosoziales Krankheitsmodell
Das IRM baut auf dem biopsychosozialen Verständnis chronischer Erkrankungen auf.
- Engel GL. (1977). The Need for a New Medical Model: A Challenge for Biomedicine. Science, 196(4286), 129–136.
- Engel GL. (1980). The Clinical Application of the Biopsychosocial Model. American Journal of Psychiatry, 137(5), 535–544.
Präzisions- und personalisierte Medizin
Die Individualisierung der Behandlung orientiert sich an Konzepten der Precision Medicine.
- National Research Council. (2011). Toward Precision Medicine.
- Jameson JL, Longo DL. (2015). Precision Medicine — Personalized, Problematic, and Promising. New England Journal of Medicine.
Chronic Care Model
Der zyklische Charakter des IRM entspricht modernen Versorgungsmodellen chronischer Erkrankungen.
- Wagner EH, Austin BT, Von Korff M. (1996). Organizing Care for Patients with Chronic Illness. Milbank Quarterly.
- Wagner EH et al. (2001). Improving Chronic Illness Care: Translating Evidence Into Action. Health Affairs.
Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit (ICF)
Die WHO beschreibt Gesundheit als Zusammenspiel von Körperfunktionen, Aktivitäten, Teilhabe und Umwelt.
- World Health Organization. (2001). International Classification of Functioning, Disability and Health (ICF).
Salutogenese
Der Schwerpunkt auf Ressourcen und Selbstregulation orientiert sich an der Salutogenese.
- Antonovsky A. (1979). Health, Stress and Coping.
- Antonovsky A. (1987). Unraveling the Mystery of Health.
Selbstmanagement chronischer Erkrankungen
Der Bereich „Begleiten“ berücksichtigt evidenzbasierte Programme zum Selbstmanagement.
- Lorig KR, Holman HR. (2003). Self-Management Education: History, Definition, Outcomes, and Mechanisms.Annals of Behavioral Medicine.
Lebensstilmedizin
Der Bereich „Stärken“ basiert auf Erkenntnissen der Lifestyle Medicine.
- Egger G, Binns A, Rossner S. Lifestyle Medicine.
- American College of Lifestyle Medicine. Lifestyle Medicine Core Competencies.
*Das Integrative Regulationsmodell (IRM) wurde von Annic Scholer im Rahmen des Konzepts Connection as Solutionentwickelt. Es entstand aus der langjährigen praktischen Arbeit mit Menschen mit komplexen chronischen Erkrankungen und wurde durch wissenschaftliche Konzepte aus dem biopsychosozialen Krankheitsmodell, der Salutogenese, der Präzisionsmedizin, dem Chronic Care Model, der funktionellen Gesundheitsförderung sowie der ICF der Weltgesundheitsorganisation systematisch weiterentwickelt. Das Modell versteht sich als konzeptionelles Rahmenmodell zur strukturierten Planung, Durchführung und Evaluation einer individualisierten Versorgung. Es erhebt keinen Anspruch auf eine eigenständige Krankheits- oder Therapietheorie.